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Radhaus - Archiv: Radwege

Mal ideal, doch oft gefährlich

   ADFC tourt mit Oberbürgermeister und Inte- ressierten durch Naumburgs Innenstadt. Benut- zerpflicht für Radfahrer soll möglichst aufgehoben werden.

von Michael Heise, Naumburger Tageblatt, 28.10.08

   Naumburg. Die Salztorkreuzung in Naumburg ist für Radfahrer ideal. Die Wege über die Bundesstraßen sind markant rot gekennzeichnet und breit genug - die Radler können sich sicher fühlen. Einen Makel gibt es aber trotzdem, und der liegt nicht an der Kreuzung selbst. Radfahrer, die aus der Jenaer Straße kommen, treffen auf der falschen Seite aufs Salztor. Die Ursache dafür liegt in der Jenaer Straße weit oberhalb: Dort gilt das Gebot für Radfahrer, den Weg auf der gegenüberliegenden Seite zu nutzen. Ein grober Fehler, wie Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) meinen.
 
Nur die Polizei fehlte
 
Dessen hiesiger Kreisverband hatte am Wochenende zu einer Rundfahrt durch die Naumburger Innenstadt eingeladen, um auf gute und schlechte Situationen für Radfahrer - Kinder wie Erwachsene - hinzuweisen. Prominentester Gast dabei: Oberbürgermeister Bernward Küper, selbst passionierter Radfahrer. Doch auch der ADFC selbst zeigte Präsenz: Aus Halle war Landesvorsitzender Volker Preipisch angereist, und aus Sachsen stieß Ulrich Patzer hinzu, Vorsitzender des Kreisverbandes Leipzig. Patzer kennt Naumburgs Radwege aus dem Effeff, da er als Dauercamper das Sommerhalbjahr im Blütengrund verbringt. Mit auf der von Ralph Steinmeyer geführten Tour waren auch Naumburger Ratsmitglieder, allerdings nicht - wie erhofft - die Polizei.
 
Bordsteinkanten nicht abgesenkt
 
Eines kristallisierte sich bei der Rundfahrt schnell heraus: Den positiven Errungenschaften, so dem gegenläufigen Befahren von Einbahnstraßen, steht vor allem eines konträr gegenüber - der meist für Radfahrer geltende Benutzerzwang von Fuß-/Radwegen, gekennzeichnet mit einem blauen Gebotsschild. Was anderenorts durchaus sinnvoll ist, so machte der ADFC deutlich, gereiche dem Radfahrer in Naumburg über weite Strecken zum Nachteil. "Meist immer dann, wenn die baulichen Gegebenheiten eine Gefahr für Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer darstellen. Die gute Absicht, Radfahrer aus dem gefährlichen Verkehrsfluss hinauszunehmen, wird ins Gegenteil verkehrt", so Steinmeyer. Mitunter enden solche Radwege im Nichts, sind Bordsteinkanten nicht abgesenkt oder queren sich Radweg und Fahrbahn auf gefährliche Weise. Vor allem in der Jägerstraße will der ADFC die Benutzungspflicht des kombinierten Rad-/Fußweges aufgehoben wissen und dem Radler freie Wahl lassen: Straße oder Gehweg. Hier wie anderenorts müssten dann Schilder mit der Aufschrift „Radfahrer frei“ installiert, die polizeilichen Gebotsschilder hingegen entfernt werden. Als besonders kritischen Punkt wertet der ADFC den Kreisel vor der Post, da es für Radfahrer keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Darüber hinaus könne der Marienplatz nicht direkt angesteuert werden. Zur Entspannung der Situation solle die Einbahnstraße vom Straßenbahndepot kommend für Radler geöffnet werden. Insgesamt sieht der ADFC in der radgerechten Gestaltung des Platzes eine "Aufgabe für Spezialisten". Konträr stehen sich Stadtpark und Poststraße gegenüber: Während ersterer wegen guter Wege für Radfahrer bestens zu nutzen wäre, aber tabu ist (nur für Fußgänger), ist die Poststraße wegen des Kopfsteinpflasters und der durch die Straßenbahngleise eingeengten Fahrbahn für Biker kaum nutzbar.
 
Gefahrenpunkt Bürgergartenstraße
 
Eine schnelle bauliche Veränderung wird für die Radwegequerung am Eingang der Bürgergartenstraße gefordert. Schwere Unfälle passierten hier vor allem deshalb, da der Radweg im Kreuzungsbereich nicht mehr parallel zur Bundesstraße (Wenzelsring) verlaufe. Ulrich Patzer: "Radfahrer haben hier eindeutig Vorfahrt, doch der des Pkw nimmt das meistens anders wahr." Binnen zwei Stunden haben ADFC und Gäste markante Punkte der Innenstadt abgeradelt. Unterm Strich steht die Erkenntnis für alle Beteiligten, dass Naumburg bereits in weiten Teilen ein gutes Pflaster für Radfahrer ist, andererseits aber großer Nachholbedarf besteht.
 
Club soll bei Planung mit ins Boot
 
Küper wie auch Armin Müller, Leiter des OB-Büros und früher für das städtische Planungsamt verantwortlich, sprachen von unkomplizierten Lösungen, die es in vielen Fällen gebe - vom Demontieren von Gebotsschildern über das Absenken von Bordsteinkanten bis hin zur Aufhebung von Einbahnstraßenregelungen für Radfahrer. Allerdings habe die Verkehrsbehörde des Kreises das letzte Sagen. Eines stellte OB Küper in Aussicht: die Einbindung des ADFC in künftige verkehrstechnische Bauten, so auch für den geplanten Kreisverkehr am Georgenberg. Wille des ADFC ist es, Radler vom Bahnhof über den Touristenempfang in die Innenstadt zu führen. Der Club will nun eine Wunschliste zu Händen des Oberbürgermeisters aufstellen.
 
Lob vom Landesvorsitzenden
 
Zum Schluss gab es ein dickes Lob von Landesvorsitzenden Volker Preipisch: "Es ist nicht selbstverständlich, dass sich die Stadt, allen voran ein Bürgermeister, Vorschlägen und Argumenten des ADFC annimmt. Für die Radfahrer ist das ein gutes Zeichen."
 
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ADFC in Naumburg auf Tour

 Zwei Stunden mit dem Rad durch Naum-
 burg: Der ADFC hatte zur Tour einge-
 laden, mit dabei war unter anderem
 OB Küper (vorn, 2.v.r.).


Fahrradwege in Naumburg

 Unkomfortabel: die Poststrasse.


Fahrradwege in Naumburg

 Gefährlich: Kreisel vor der Post.


Fahrradwege in Naumburg

 Für Radler tabu: Stadtpark.


Fahrradwege in Naumburg

 Vorbildlich: Markierung am Salztor.
 Fotos: Torsten Biel